Linux-Kernel mit 6 Jahren Support

Warum Android-Nutzer keine Updates kriegen - und was Google dagegen tun will

Uhr | Aktualisiert

Die meisten Android-Geräte laufen mit veralteten Versionen des Betriebssystems. Entwickler Iliyan Malchev legte nun dar, wie Google dagegen vorgehen will. Zudem kündigte er Linux-Kernel mit 6 Jahren Support an.

Android hat ein Problem: Updates für das Betriebssystem landen kaum auf den Geräten der Nutzer. Das zeigen Zahlen von Google. Der Konzern veröffentlichte am 21. August die Android-Version 8.0 Oreo. 3 Wochen später lief diese auf weniger als 0,1 Prozent aller Android-Geräte. Die Nutzung von Oreo ist so marginal, dass sie Google in seiner Grafik mit den meistgenutzten Android-Versionen nicht einmal ausweist.

Android 8.0 taucht in Googles Grafik mit den meistgenutzten Android-Versionen (Stand: 11. September) nicht einmal auf. Source: Screenshot von android.com

Zum Vergleich: Das vor zwei Wochen veröffentlichte iOS 11 läuft laut mixpanel.com bereits auf rund 30 Prozent aller iOS-Geräte. Das ein Jahr zuvor lancierte iOS 10 nutzten am 6. September gar 89 Prozent aller iOS-Geräte, sagt Apple.

89 Prozent aller iOS-Geräte liefen im September 2017 auf iOS 10. Source: Screenshot von apple.com

Ein Grund für die langsamen Android-Updates ist das offene Entwicklungsmodell. Während es von iOS nur eine Apple-Variante gibt, existieren hunderte von Android-Versionen. Ist Google mit einem Update fertig, geht es zuerst an die Chiphersteller. Sie müssen ihre Treiber und Software für Android anpassen.

So gelangen neue Android-Versionen in die Hände der Nutzer. Source: Screenshot von googleblog.com

Dann erhalten die Gerätehersteller die neuen Android-Versionen. Zum Beispiel HTC, Huawei, LG, Oppo, Samsung, Sony und Xiaomi. Sie passen den Quellcode an und ergänzen ihn um eigene Apps, Skins und Funktionen. Das braucht Zeit. Die Firmen testen ihre Android-Versionen anschliessend gemeinsam mit den Telkos. Erst dann gelangen die Updates in die Hände der Nutzer - wenn überhaupt.

Google kündigte schon mehrmals an, das Problem anpacken zu wollen. Zuletzt im Mai mit Project Treble, einer Modularisierung von Android, die Updates beschleunigen soll. Android-Nutzer spüren davon bis jetzt aber noch nichts. Immerhin: Lenovo liess im August verlauten, zukünftig auf eigene Anpassungen des Betriebssystems zu verzichten und stattdessen Googles Standard-Version auszuliefern. Ob das die Updates wirklich beschleunigt, muss sich aber erst noch zeigen.

Vor (oben) und nach (unten) Oreo: Mit Project Treble hat Google die Android-Architektur umgekrempelt. Source: Screenshot von linaro.org

Denn Google hat noch ein ganz anderes Problem: Android basiert auf Linux, und die Community versorgt den Linux-Kernel maximal zwei Jahre lang mit Updates. Bis jetzt. Google-Entwickler Iliyan Malchev hat nun an der Linaro-Connect-Konferenz in San Francisco angekündigt, dass sich das ändert. Die LTS-Versionen (Long Term Support) des Kernels gibt es neu mit sechs Jahren Community-Support.

Welche Android-Version welchen Linux-Kernel nutzt, zeigt diese Grafik. Source: Screenshot von linaro.org

Malchev illustrierte mit zwei Grafiken, warum Android von sechs Jahren Support für den Linux-Kernel profitieren soll. Da die Entwicklung neuer Geräte Zeit brauche und die genutzte Kernel-Version früh festgelegt werde, ende der Support für Android-Geräte oft bereits ein Jahr nach Veröffentlichung.

Die neuen LTS-Kernel-Versionen für Linux geben Google mehr Luft. Source: Screenshot von linaro.org

Mit einem 6-Jahres-LTS-Kernel könnten die Hersteller ihre Geräte ab Auslieferungszeitpunkt vier bis fünf Jahre lang mit neuer Software versorgen, sagt Malchev. Gemeint sind damit laut Heise nicht neue Funktionen, sondern kleine Verbesserungen sowie Korrekturen für schwere Fehler und Sicherheitslücken.

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