TV-Streaming

Mystery-Shopping: "Ich würde nie mehr auf Netflix verzichten"

Uhr | Aktualisiert

Astrid T. will TV-Streaming-Dienste nutzen. Die Mystery-Shopperin hat sich nach Netflix und ­Alternativen umgehört. Wie gut kennt sich der Handel mit den neuen TV-Angeboten aus?

(Source: Screenshot von netflix.com)
(Source: Screenshot von netflix.com)

Astrid T. hat von Netflix erfahren. Der Streaming-Dienst hat tolle Serien zu bieten, wie ihr Kolleginnen vorschwärmten. Ob Spannung, Comedy oder Drama, sie würde sicher etwas für ihren Geschmack finden, und zwar zum Pauschaltarif. Doch über Streaming weiss sie praktisch nichts, sie schaltet jeweils um 10 vor 10 den Fernseher ein und nicht mehr aus, bis sie sich schlafen legt. Sie schaut Swiss­com-TV am schon etwas in die Jahre gekommenen HD-Flachbildschirm. Ob Netflix die richtige Wahl für sie ist, sollte ihr der Handel sagen. Die Mystery-Shopperin ging in Begleitung von "CEtoday" auf Tour durch Manor, Melectronics, Interdiscount, Media Markt und in die Shops der drei grossen Telkos.

Manor

An ihrer ersten Station, Manor, ging Astrid an den Kassentresen der Multimediaabteilung und fragte die Verkäuferin, welche Streaming-Angebote sie empfehlen könne. "Ich nutze Netflix und würde nie mehr darauf verzichten wollen", antwortete die bestimmt. Sie riet Astrid, am Manor-Kundendienst zu fragen, ob dieser Guthaben für das Netflix-Abo verkaufe. Astrid hörte auf den Rat und fragte die ältere Verkäuferin am Kundendienst-Schalter nach Netflix. "Ich kenne Netflix, aber ich habe eine Kollegin, die weiss alles darüber", entschuldigte sie sich, ging um den Kassentresen herum und holte eine junge Verkäuferin dazu. Die war ebenfalls von Netflix überzeugt. "Es gibt sonst nur noch eine weitere Plattform. Aber Netflix ist besser", sagte sie und empfahl Astrid, während eines Monats das Angebot kostenlos zu testen. Dafür müsse sie die Kreditkartennummer angeben und kurz vor Monatsende den Vertrag wieder kündigen, damit die Karte nicht belastet werde. Prepaid-Karten für Netflix hätten sie keine da, aber vielleicht finde sie welche am Postschalter, sagte die Verkäuferin.

Melectronics

Astrid ging aber nicht an den Postschalter, sondern zu ­Melectronics. Wieder fragte sie eine junge Verkäuferin nach Netflix und Alternativen. Auch diese Dame war von Netflix überzeugt. Sie schwärmte vom "riesigen Filmsortiment" und der "simplen Sortierfunktion" und riet ebenfalls zum Probemonat.

Interdiscount

Astrid war überrascht. Sollte es tatsächlich nur Netflix geben, das ihr als Streaming-Dienst empfohlen wird? Sie ging weiter zu Interdiscount, wo sie ein Verkäufer begrüsste und ihr Hilfe anbot. Auf ihr Anliegen erklärte er ihr, dass es ausser Netflix auch Amazon Prime, Maxdome oder Sky gebe. Gleichwohl sagte aber auch dieser Verkäufer: "Ich nutze Netflix seit einem Jahr und schaue praktisch kein Fernsehen mehr. Die Auswahl ist riesig und das Angebot günstiger als andere Dienste." Er verglich die Preise und riet ihr schliesslich wieder zum Netflix-Probemonat.

Media Markt

Endlich bekam Astrid Alternativen zu Netflix aufgezeigt. Doch jedes Mal empfahl man ihr wieder Netflix. Astrid ging weiter zu Media Markt. Gleich am Eingang begrüsste sie eine Verkäuferin, die auf ihre Frage nach Streaming-Lösungen eine Gegenfrage stellte: "Welches Handy haben Sie denn?", wollte sie wissen. Astrid zückte ihr iPhone, worauf ihr die Verkäuferin zu Apple TV riet. "Damit können Sie vom Handy aus Netflix auf den Fernseher schicken", sagte sie. Falls Astrid aber einen Smart-TV besitze, könne sie Netflix direkt auf den Fernseher laden. Andere Dienste kamen für die Verkäuferin offenbar nicht infrage, dachte Astrid. Die Verkäuferin vergewisserte sich beim Kollegen, der in der Nähe stand, ob dies der richtige Rat für Astrid war. Der wirkte gelangweilt und sagte, Astrid solle zuerst an ihrem Fernseher ausprobieren, ob dieser Netflix auch ohne Set-Top-Box empfange.

Sunrise

Das tat Astrid aber nicht. Sie ging zum ersten Telko ihrer Tour: Sunrise. Im kleinen Ladengeschäft war Astrid die einzige Kundin; zwei Verkäufer warteten hinter dem Kassentresen auf sie. Auf Astrids Frage nach Streaming-Diensten berieten sie sich, bis einer schliesslich sagte: "Wir haben nur Netflix auf der neuen 4k-Sunrise-Box. Das ist aber kein Programm von Sunrise, deshalb ist es auch nicht gratis. Sunrise hat noch keinen Streaming-Dienst, aber Sie können einzelne Filme mieten." Dann sagte der zweite: "Wortwörtlich streamen Sie ja schon, wenn Sie fernsehen, weil es über die Cloud zu Ihnen gelangt." Dann begann der erste Verkäufer von der 4k-Box zu schwärmen, mit der Astrid kristallklares Fernsehen erlebe. Er sagte: "4k-Sender kommen erst noch; das ist wie damals mit HD-TV. Wir haben aber schon einen 4k-Testkanal." Er wies Astrid auf einen ausgestellten Bildschirm in der Nähe hin, bei dem der 4k-Testsender eingestellt war. "Der Fernseher hat aber nur ein HD-Ready-Panel, deshalb kann ich Ihnen 4k nicht zeigen", entschuldigte er sich. Dann gab er Astrid einen Flyer in die Hand, in dem sie alle wichtigen Informationen finden könne, und beendete das Verkaufsgespräch mit einer langen Lobeshymne auf das "beste Angebot in der Schweiz". Sunrise One sei 30 bis 40 Prozent günstiger als alle anderen Angebote, sagte er zu Astrid und verabschiedete sich.

UPC

Astrid fühlte sich bei Sunrise etwas bedrängt. Sie versuchte es weiter bei UPC, wo sie wieder einen Verkäufer am Kassentresen ansprach. Der sagte nach Streaming gefragt: "Ja, wir bieten Myprime, das ist wie Netflix, aber nicht so gut. Es sind alles vier bis fünf Jahre alte Filme. Neue Filme müssten Sie einzeln bezahlen." Statt zu Myprime riet er wiederum zu Netflix, das auf der Horizon-Box vorinstalliert sei. Er erkundigte sich nach Astrids Wohnort, damit er überprüfen könne, ob sie über die nötige Bandbreite fürs Streaming verfüge. Nach wenigen Sekunden sagte er: "Sie sind auf dem neuesten Stand. Welches Angebot möchten Sie gerne?" und gab ihr wie der Sunrise-Verkäufer zuvor einen Prospekt, während er die Preise für die Abopakete bei UPC aufzählte.

Swisscom

Wieder fühlte sich Astrid nicht wohl im Telko-Handel. Sie hatte das Gefühl, dass ihr die Verkäufer bei Sunrise und UPC etwas aufdrängen wollten. Bei Swisscom musste sie das nicht befürchten, da sie bereits Kundin ist. Wieder ging sie zum Kassentresen und sprach einen Verkäufer an. Wieder wollte der Astrids Wohnort wissen, um die Grundvo­raussetzungen fürs Streaming zu prüfen. Wieder bestand sie den Internetgeschwindigkeitstest. Der Verkäufer erwähnte den Streaming-Dienst von Swisscom: "Teleclub Play ist wie Netflix, das kostet etwa dasselbe, hat aber nur alte Serien und Filme. Ich rate Ihnen dringend zu Netflix." Während der Verkäufer erklärte, dass der US-Streaming-Dienst auf der neuen Swisscom-Box bereits vorinstalliert sei, führte er Astrid zu einer ausgestellten Swisscom-Box und zeigte an einem Bildschirm, wo sich die Netflix-App versteckt.

Fazit

Astrid bedankte sich beim Verkäufer, verabschiedete sich und beendete ihre Mystery-Shopping-Tour mit gemischten Gefühlen. Jeder Händler wusste Bescheid über Streaming, jeder kannte Netflix. Manche wie der Swisscom-Verkäufer führten ihr auch die Bedienung für Netflix vor. Der US-Streaming-Dienst war aber der einzige, der ihr empfohlen wurde. Die Schweizer Konkurrenz von Swisscom und Co. kann offenbar nicht mithalten, dachte Astrid. Auch für eine Set-Top-Box wie Apple TV hätte sie sich interessiert, die kam aber nur kurz bei Media Markt zur Sprache. Der Multimediahandel zeigte sich wenig verkaufsfreudig. Dafür waren die Verkäufer der Telkos fast zu aufdringlich. Astrid würde sich nun für den Probemonat von Netflix entscheiden und sich über Set-Top-Boxen schlau machen.

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DPF8_54428

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