Editorial

Zu Zeiten von "Wetten dass..?" war auch nicht alles besser

Uhr | Aktualisiert
(Source: Netzmedien)
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Vor 20 Jahren sass ich an den Samstagabenden jeweils mit meinen Eltern und Brüdern vor dem Fernsehgerät und schaute «Wetten dass..?». Am Sonntagabend war es dann ein Film wie Winnetou oder der Tatort, den ich gemeinsam mit meinen Liebsten verfolgte. Damit begann das Gesellschaftsereignis TV erst, denn was ich am Fernseher sah, besprach ich anschliessend mit meinen Schulgspänli. ­Solche Happenings vor dem Fernseher finden in meinem Umfeld, ­aus­ser bei sportlichen Grossanlässen, fast nicht mehr statt. «Wetten dass..?» gibt es nicht mehr, und viele meiner Bekannten sehen fast gar nicht mehr fern. Herkömmliches Fernsehen hat bei ihnen viel an Attraktivität verloren. «Schuld» am Niedergang der TV-Sender sind Streaming-Dienste, die spannende Serien und Filme zum Flatrate-Angebot ­bieten, Mediatheken der Sendeanstalten sowie Youtube und Co.

Wenn es dann doch mal herkömmliches Fernsehen sein soll, zappen sie dank Replay-TV fast nicht mehr. Wenn das immer mehr Menschen machen, dürfte sich das als grosses Problem für die TV-Sender erweisen. Die Werbeindustrie hat wohl kein Interesse an ­teuren Kampagnen, wenn nur ein geringer Teil der Zuschauer sie auch tatsächlich ansieht.

Die Zeit vor dem Fernseher mit meinen Liebsten war toll. Dafür ist das Angebot dank IP-TV und Streaming-Diensten heute so gut, dass wohl jeder etwas findet, mit dem er sich gerne die Zeit vertreibt. Zu Zeiten von «Wetten dass..?» war also nicht alles besser. Heute unterhält man sich auf dem Pausenhof oder im Büro über Serien und ­virale Videos.

Trotz Tablet und Co. ist dabei der Fernseher immer noch die erste Wahl unter den Abspielgeräten, wie Homedia-CEO Eric Grignon im Interview sagt. Lesen Sie seine Meinung zur Zukunft des Fernsehens ab Seite 17. Ausserdem gibt Telekom-Experte Ralf Beyeler vom Vergleichsdienst Verivox im Marktreport ab Seite 26 Auskunft, was die verschiedenen Streaming-Angebote im Vergleich bieten. Was es für IP-TV bietet, zeigt der Hintergrundbericht auf Seite 28. Wie gut der Handel zum Thema ­Streaming Bescheid weiss, wollte Mystery-Shopperin ­As­trid T. wissen. Sie machte sich auf die Suche nach einer Streaming-­Lösung.

Ich bin gespannt, welche Neuigkeiten die IFA in Berlin in Sachen TV für uns bereithält. Die Messe öffnet ihre ­Türen vom 1. bis zum 6. September. Die Redak­tion ist vor Ort und berichtet über die Highlights der TV-­Industrie, die uns bis zum Weihnachtsgeschäft erwarten. Natürlich ­halten wir Augen und Ohren auch bei allen anderen ­Themen offen, die den nächsten viralen Trend einläuten könnten.

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