CEO-Interview mit Lorenz Weber von Steg

"Wer nur ein 199-Franken-Notebook will, muss nicht mehr zu Steg kommen"

Uhr | Aktualisiert

Steg hat einen Strategiewechsel begonnen. Der Retailer soll ein Fachhändler werden. Im Interview sagt Lorenz Weber, CEO von PCP und Steg, wie es dazu kommen soll.

Lorenz Weber, CEO von PCP und Steg (Quelle: Netzmedien)
Lorenz Weber, CEO von PCP und Steg (Quelle: Netzmedien)

PCP hat vor drei Jahren Steg übernommen. Welche Synergien ergaben sich dadurch?

Lorenz Weber: Die Synergien sind sehr vielfältig. Zusammen sind wir grösser und haben dadurch eine bessere Position bei den Herstellern. Ausserdem konnten wir seit der Hochzeit der beiden Firmen viele Prozesse optimieren. Das funktioniert sehr gut, weil es zwei Firmen aus derselben Branche sind, aber nicht genau dasselbe tun.

Welche Prozesse haben Sie optimiert?

PCP entwickelte seine Software schon immer selbst. Dieses Online- und Transaktions-Know-how konnten wir für Steg anwenden. Wir investierten extrem viel in den Onlineauftritt von Steg. Wir wurden schneller, effizienter, und der Service für den Kunden wurde viel besser.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Vor vier Jahren belieferte ein externer Partner die Steg-Filialen zweimal pro Woche. Heute haben wir eine viel bessere Warenverfügbarkeit. Der Kunde kann heute bis 11 Uhr morgens bestellen und ab 15 Uhr in den meisten Filialen die Bestellung abholen. Das Sortiment bei Steg wuchs durch den Zusammenschluss von 5000 auf 250 000 Artikel.

Wie wollen Sie PCP und Steg ausrichten?

Als reiner Onlineanbieter ist es für PCP wichtig, ein möglichst grosses Sortiment zu haben. Dafür braucht es schlanke und schnelle Prozesse, schnelle Lieferzeiten und eine gute Beschaffungskompetenz. PCP passt aber von der Positionierung gut zu Steg. Der Unterschied besteht darin, dass Steg ein Filialnetzwerk hat. Steg bietet in seinen 16 Filialen ein breiteres, aber flacheres Sortiment als PCP. In jeder Filiale arbeiten Techniker, die PCs reparieren, Festplatten einbauen und weitere Services anbieten. Das ­Assemblierer-Geschäft ist eine Stärke von Steg.

Zu PCP gehört unter anderem auch PC Ostschweiz. Wird es eine Fusion der Marken geben?

Nein, wir verfolgen eine Multi-Brand-Strategie mit unterschiedlichen Angeboten für jedes Kundenbedürfnis. So weiss der Kunde, dass er bei PC Ostschweiz ein Produkt sehr schnell und sehr günstig bekommt. Bei Steg sprechen wir Kunden an, die Hilfe vom Fachmann brauchen, die etwa wissen wollen, ob sie Geld in ihren langsamen Laptop investieren oder einen neuen kaufen sollen.

Wird es eine Preisharmonisierung der Marken von PCP ­geben?

Nein, es ergibt keinen Sinn, für unterschiedliche Leistungen den gleichen Preis zu verlangen. Der Kunde bekommt allein das Produkt bei PC Ostschweiz zum billigsten Preis, aber dafür profitiert er bei PCP und Steg von einer umfassenden Beratung, den Abholmöglichkeiten und einem Rückgaberecht.

Sie sind CEO von PCP und seit der Übernahme auch von Steg. Wo sind Sie seither mehr engagiert?

Wir sehen uns als Firmengruppe. Mit unserer Multibrand-Strategie haben wir keine Mitarbeiter, die nur für Steg oder PCP arbeiten. Wir haben 16 Filialen, viele Mitarbeiter sind oft unterwegs, haben Standorte in Deutschland, Österreich und der Slowakei. Für mich ist es normal, jeden Tag woanders zu arbeiten.

Wollen Sie im Ausland wachsen?

Fürs Ausland stehen momentan keine erwähnenswerten Ausbaupläne fest.

Wie viele Stellen bauten Sie seit der Fusion ab?

Der Höhepunkt der Firma Steg war 2009. Dann kamen die Probleme mit den Filialumsätzen auf, hauptsächlich wegen der starken Onlinekonkurrenz. Schon zu dieser Zeit musste Steg Anpassungen am Mitarbeiterbestand vornehmen. Als PCP übernahm, waren wir 230 Mitarbeiter. Nach der geplanten einjährigen Transitionsphase waren wir bei 170, was auch der heutige Stand ist.

Werden Sie die Mitarbeiteranzahl wieder erhöhen?

Das kommt auf den Geschäftsverlauf an. Aktuell planen wir mit diesem Bestand.

Wie ist der aktuelle Geschäftsverlauf?

Wir haben sieben verschiedene Onlineshops und Marken. Insgesamt steht PCP seit der Aufhebung des Euromindestkurses in einem schwierigen, aggressiven Markt­umfeld. Es ist momentan anspruchsvoll, den Vorjahresumsatz zu halten.

Wie ist der Umsatzanteil zwischen On- und Offline?

Wir sind froh, dass wir momentan etwa zwei Drittel unseres Umsatzes online erzielen. So können wir den Umsatz, den wir in den Filialen verlieren, zum grössten Teil kompensieren. Ich gehe davon aus, dass sich die Umsätze noch weiter verschieben. Wir befinden uns deshalb in einem Strategiewechsel.

Wie sieht diese Strategie aus?

Wir wollen als Firma Steg vom reinen Warenhandel wegkommen. Wir sehen uns nicht mehr als Konkurrenz von Media Markt, Interdiscount und Co. Wir sind auch keine simplen Abholtheken à la Digitec oder Microspot. Wir sehen uns als Kompetenzstelle für Leute mit technischen Fragen und Problemstellungen. Wir helfen, den PC schneller zu machen oder eine grössere Festplatte einzubauen, entfernen PC-Viren und ersetzen Netzteile.

Wird es durch den Strategiewechsel mehr oder weniger ­Filialen geben?

Die Anzahl bleibt gleich. Aber die Filialen verändern sich. Wir haben vielleicht nicht mehr 10 Laufmeter Netzwerk-Switches vor Ort an Lager, sondern das Grundfilialsortiment, das die Leute nachfragen. Wir brauchen die Filialen auch als Logistikort für Onlinebestellungen. Wir können von den Filialen aus 36 Prozent der Schweizer Haushalte abdecken und Lieferungen innerhalb von drei Stunden zum Kunden nach Hause anbieten. Diese Abdeckung und Liefergeschwindigkeit bietet sonst niemand.

Wieso haben Sie die Steg-Filiale in Winterthur ­geschlossen?

Das war die erste und einzige Filiale, die wir geschlossen haben. Die Filiale im zweiten Stock des Einkaufszentrums Archhöfe war von Anfang an eine Fehlkonstruktion. Schon zu Beginn der Steg-Übernahme stand fest, dass wir die Filiale nicht weiterführen wollen. Die normale Steg-Filiale befindet sich nicht in einem Shopping-Center, sondern im Erdgeschoss eines Gebäudes an einer gut befahrenen Hauptstrasse oder im Industriegebiet. So profitieren wir von tieferen Mieten, und die Kunden können die Produkte direkt mit dem Auto abholen.

Steg hat den 6. Retailer Award in Folge gewonnen. Was bedeutet Ihnen der Preis?

Wir sind stolz auf den Preis, weil die Kunden für uns gestimmt haben. Aber wir sehen uns nicht mehr als Retailer wie früher, heute sind wir ein Fachhändler. Wir nehmen uns Zeit für den Kunden und beschäftigen uns mit seinem PC-Problem.

Was haben Sie dafür an Steg verändert?

Die Filialen sind heute eine Technikstelle. Wir schafften die Ticketmaschinen ab. Heute wird der Kunde persönlich mit Namen begrüsst und es wird eine Kundenbeziehung aufgebaut. Wir haben weniger Kunden, die wir dafür ­besser bedienen können. Seit Anfang des Jahres bieten wir zum Beispiel auch eine Vor-Ort-Installation beim Kunden an.

Welche Kunden wollen Sie mit Steg ansprechen?

Konsumenten, die nur ein 199-Franken-Notebook wollen und keine Fragen haben, müssen nicht mehr zu Steg kommen. Die kaufen besser bei PC Ostschweiz ein, weil dort der Preis günstiger ist. Mit Steg sprechen wir Kunden an, die eine Beratung oder Gesamtinstallation wünschen.

Welche Lösungen sind das?

Wir zeigen in unseren Filialen etwa Virtual-Reality-Anwendungen mit Brille und PC, Sitz und Lenkrad. In Zukunft wollen wir auch NAS-Systeme in Betrieb ausstellen, welche die Kunden ausprobieren und vergleichen können. Ein weiteres Thema ist die Heimvernetzung mit Beispiel­installationen. Und wenn Kunden sich einen Flugsimulator wünschen, aber nicht wissen, was sie dafür benötigen, brauchen sie eine Beratung in unserer Filiale. Deshalb bieten wir in den Steg-Filialen seit einem Jahr auch 90-minütige Workshops für bis zu zwölf Personen an.

Sind diese Kurse kostenlos?

Nein, sie kosten 79 Franken. Aber wer etwas bei uns kauft, bekommt die erste Schulung meist kostenlos.

Wie wichtig ist das schrumpfende PC-Geschäft für Steg?

Die Kategorie PCs ist nach wie vor die grösste für uns. Es ist ein wichtiges Geschäft und wir planen auch nicht, uns davon zu verabschieden. Die Gerätedichte hat in den letzten 20 Jahren enorm zugenommen. Dadurch hat jeder PC-Systemhändler nach wie vor sehr gute Möglichkeiten, entsprechende Services anbieten zu können.

Welche Bedeutung hat das Assemblierergeschäft?

Das Assemblierergeschäft ist ein wichtiges Standbein für uns. Wir sind der grösste PC-Assemblierer in der Schweiz. Das Geschäft blieb in den vergangenen Jahren relativ stabil. Es gibt immer wieder Kunden, die bei uns PCs für 8000 Franken bestellen. Die gehören zu Kerngruppen wie Gamer oder Architekten, die nach wie vor sehr leistungsstarke Rechner brauchen. Dementsprechend besteht auch ein Markt dafür. Es wäre auch für Firmen interessant, die leider oft PCs von Herstellern aus den USA oder China statt Qualitätsrechner made in Luzern kaufen.

Welche Bedeutung hat das B2B-Geschäft?

Das B2B-Geschäft ist noch ein kleiner Teil unserer Firmengruppe mit drei Mitarbeitern, die sich um die wichtigsten Kunden kümmern. Das wollen wir ausbauen. Wir bieten attraktive Konditionen und Servicepakete, eine einzigartige Liefergeschwindigkeit in der Schweiz und Artikel, die sonst niemand liefern kann.

Wie gross soll das B2B-Team werden?

Wir brauchen in erster Linie mehr Firmenkunden, damit wir mehr Mitarbeiter einstellen können.

Wo sehen Sie Wachstumsfelder?

Services sind vor allem für Steg Electronics sehr wichtig. Wenn Sie einen neuen PC bei Steg kaufen, helfen wir bei der Inbetriebnahme bis zur Installation beim Kunden zuhause.

Planen Sie eine Sortimentsverbreiterung?

Nein, wir sind kein Warenhaus, sondern ein Computerhändler. Zu Weihnachten führen wir vielleicht Spielzeug, aber wir ergänzen das Sortiment nur saisonal.

Welche Cross-Channel-Strategie verfolgen Sie?

Omni-Channel ist die optimale Verbindung aller unserer Kanäle. Unsere Kunden, die eine komplexe Installation kaufen, wollen das Gerät vor der Bestellung anschauen. Sie schauen sich auf unserer Website das Sortiment an und kommen mit dem Smartphone in unsere Filiale. Hier sehen sie die Geräte und sehen am Handy, was wir an Lager haben. In Zukunft wollen wir den Kundenservice verbessern, indem der Kunde in der Filiale eine Visitenkarte des Verkäufers bekommt. So kann er den QR-Code auf der Karte einscannen und sieht das Profil des Verkäufers und kann dort auch gleich den nächsten Beratungstermin abmachen.

Sie haben die Lieferung auf Wunschtermin eingeführt. Was kommt als Nächstes?

Die Auswahl des Zeitfensters ist das Wichtigste für den Kunden. Deshalb ist die Lieferung auf Wunschtermin aktuell unsere grösste Innovation. Sie können ein Zeitfenster von 3 Stunden an 365 Tagen im Jahr auswählen. Wir haben viele Ideen, aber was in Zukunft kommt, können wir noch nicht verraten.

Sehen Sie noch Ausbaumöglichkeiten in der Zusammenarbeit mit Partnern wie Pizza-Blitz?

Das haben wir gerade getan mit der Lieferung am Samstag und Sonntag. Die Lieferungen übernehmen unsere Kurier-Partner. Sie liefern auf der Hinfahrt das Essen und auf der Rückfahrt unsere Produkte aus. So wird es günstiger für beide. Das funktioniert sehr gut. In 9 von 13 Fällen ist unser Partner Pizza-Blitz, an zwei Orten eine Kurierfirma sowie je an einem Ort ein Velokurier und ein asiatisches Restaurant.

Persönlich

Lorenz Weber (1980) ist in Schaffhausen geboren und aufgewachsen. Sein Taschengeld besserte er mit Hard- und Software-Support bei Bekannten auf. Mit Kollegen gründete er in Schaffhausen die Firma PC Power. Im Jahr 2000 entstand daraus PCP.ch. 2014 kaufte PCP Steg aus Luzern. Weber ist ledig und hat keine Kinder. Seine Hobbys sind Reisen, Sport sowie die Sprache und ­Küche Chinas. Quelle: PCP

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